Arbeiten von Theresa Jäger entstehen im Zwischenraum von Material und Gefühl – zwischen innerem Impuls und dem Moment, in dem sich eine Form findet.
Der Druck als Technik lässt bis kurz vor Vollendung des Werks eine hohe Flexibilität in der Komposition zu.
Theresa Jäger arbeitet in unterschiedlichen Techniken – Zeichnung, Druck, Collage, Keramik und Installation. Jede Technik entwickelt dabei eine eigene Sprache, ein eigenes Temperament, das Wahrnehmung öffnet und neue Resonanzräume schafft.
Im Zentrum ihrer Arbeiten steht der Mensch: Gesichter, Körperfragmente, Haltungen und Zwischenräume – nicht als Abbild, sondern als Spur von Empfindung, Erinnerung und Erfahrung.
Material versteht Theresa Jäger als ehrlichen, widerständigen Partner im Prozess. In einer Zeit zunehmender Glättung und Digitalisierung sucht ihre Kunst nach einer anderen Form von Nähe: zwischen Material und Mensch, Geste und Gefühl.
Wen bildest du in deinen Arbeiten ab?
Das ist unterschiedlich. Ich habe das selbst erst vor kurzem richtig verstanden, warum manche Charaktere immer wieder auftauchen.
Was mich mit den meisten Künstler*innen eint, ist, dass sich mein bisheriges Werk in der Rückschau phasieren lässt. Als Studentin habe ich ständig nach Radikalem gesucht, mich für Nazis und hochgereckte Fäuste, gerecht und ungerecht, Sektenkult und Protestgruppen, Unterdrückte und Unterdrücker interessiert. Mit meiner Rolle als DJ kam wieder eine stärkere Nähe für die Menschen, es wurde auch positiver irgendwie, mehr Farbe, mehr Zwischentöne, mehr Menschlichkeit. Seit sich alle so zu Hause eingeigelt haben, pendelte ich wieder stärker zum Ich. Ich habe die Druckerpresse angeschafft. Der Druck ermöglicht mir das Festhalten und gleichzeitige Loslassen. Immer derselbe Ort etwa, ein bestimmter Platz am Neckar, hat mich zur Herausbildung romantischerer Charaktere inspiriert. Mehr nebulöse Phantasie ist jetzt dran, irgendwie passend zur Einsamkeitsstimmung der Pandemiezeit, fällt mir grade auf.
Harmonie oder Konflikt?
Konflikt bringt Bewegung. Bewegung ist wichtig.
Wann wird Kunst zur Dekoration?
Die spannendere Frage lautet für mich: Warum soll Dekoration per se was Plumpes sein? Wenn sich Kunst dem Dekozweck verschreibt, würde es mich sicher nicht ansprechen. Wenn mich aber etwas anspricht, kann es Tiefe haben und schön sein. Wenn es schön ist, darf es in meinem Wohnraum sein. Wenn etwas im Wohnraum ist, ist es Deko. Und vielleicht dennoch Kunst.
Wie lehrt man Kunst?
Ich hab Schule nicht nur nicht gemocht früher, ich habe Schule wirklich oft gehasst. Später hab ich mich aber irgendwie wieder dahin zurückgesehnt. Es war oft unglaublich lustig. Und auch wenn mir bei so vielen Lehrinhalten auch heute noch der Sinn fehlt, ich lehre Kunst.
Das vergangene Jahr hatte ich trotz oder (gerade wegen?) Corona das erste Mal richtig das Gefühl, dass das, was ich tue, auch wirklich bedeutsam für die Schüler*innen ist. Man darf ja nicht vergessen, dass die Schüler*innen keine Wahl haben, ob sie in die Schule gehen oder nicht. Hier wäre ja dann schon mal anzumerken, dass also alles, was in der Schule passiert, nicht ganz freiwillig sein kann. Freiwilligkeit und damit Freiheit ist aber ein Kunst-Essential. Das ist echt schwierig somit…
Aber es gibt diese Momente, wo man erkennt, dass die Schüler*innen große Lust drauf haben und die erreiche ich mittlerweile immer besser mit einer Mischung aus einem breiten Angebot an unterschiedlichen Materialien und immer auch vielen Freiheiten, die ich ihnen gewähre.
Für Theresa Jäger beginnt Auftragskunst mit einem inneren Bild – einem Bild, das sich aus dem formt, was jemand beschreibt, erinnert oder andeutet. Menschen wenden sich an sie, wenn etwas sichtbar werden soll, das Bedeutung trägt: nicht als Kopie, sondern als künstlerische Essenz.
Jäger hört zu. Sie nimmt wahr, welche Stimmung in Worten liegt und welche Richtung sich daraus für ein Werk öffnet. Aus dem Gesagten und dem Mitgemeinten entwickelt sie ein Gespür dafür, welches Medium und welcher Ausdruck einem Anliegen gerecht werden. Ihre besondere Stärke liegt darin, aus verbalen Hinweisen – ob klar formuliert oder fragmentarisch – eine eigenständige visuelle Sprache zu entwickeln.
Ein Beispiel: Für einen Auftrag zu einer geliebten Person erhielt sie ein altes Polaroid und persönliche Erzählungen. Die fertige Arbeit entstand nicht aus dem Wunsch nach Ähnlichkeit, sondern aus Fragen wie:
Was bleibt?
Welche Spur kann Material tragen?
Wie lässt sich Erinnerung in eine Form übersetzen, die nicht abbildet, sondern berührt?
In diesem Raum zwischen Erinnerung und Form findet Jäger ihren Ansatz. Auftragskunst unterscheidet sich für sie nicht wesentlich von ihrer freien Arbeit: Auch hier entsteht der Impuls aus Resonanz, Begegnung und innerer Bewegung. Der Unterschied liegt darin, dass der Ausgangspunkt von außen kommt – die künstlerische Annäherung bleibt dieselbe.
Theresa Jäger versteht sich dabei weder als Dienstleisterin noch als ausführende Hand eines fertigen Bildes, sondern als dialogische Partnerin. Gemeinsam mit den Auftraggebenden entwickelt sie eine Bildsprache, die einen inneren Kern sichtbar werden lässt – mit ihrer eigenen Handschrift als verbindendem Element.
Auftragsarbeiten bilden einen eigenständigen, dialogischen Teil ihrer künstlerischen Praxis.